Viele Ereignisse und Untersuchungen der letzten Jahre ließen eine Zunahme von Starkregen und den damit verbundenen Überschwemmungen vermuten. Belastbare Auswertungen für extremen Regenmengen innerhalb kurzer Zeit, zum Beispiel für stündliche Regenmengen, wurden allerdings durch Messunsicherheiten und Beschränkungen in der Datenverfügbarkeit erschwert. Eine Studie von GeoSphere Austria, Technischer Universität Wien, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft sowie der Universität Graz zeigt jetzt erstmals mit robusten Messdaten, dass kurzfristige Starkregen-Ereignisse in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker geworden sind und die Zahlen auch der Zunahme an Hochwasser Ereignissen entsprechen.
In der in der Fachzeitschrift Nature publizierten Studie wurden die Daten aus zwei voneinander unabhängigen österreichischen Messnetzen (GeoSphere Austria und Hydrografischer Dienst) mit insgesamt 883 Stationen untersucht, für den Zeitraum 1900 bis 2023.
Klimawandel bringt mehr Starkregen
Für die Auswertung der stündlichen Regenmengen wurden Daten ab 1950 verwendet, weil aus der Zeit davor keine verwertbaren stündlichen Daten vorhanden sind. „Von 1950 bis 1980 zeigen die stündlichen Werte von Starkregen keinen Trend. In den 40 Jahren von 1980 bis in die Gegenwert nahmen die Starkregenmengen um rund 15 Prozent zu“, sagt Klaus Haslinger von der GeoSphere Austria, Hauptautor der Studie, „genauer formuliert: Ein durchschnittlicher Starkregen brachte im Zeitraum 2003 bis 2023 um 15 Prozent mehr Wasser als ein durchschnittlicher Starkregen im Zeitraum 1950 bis 1970.“
Die Ergebnisse sind für alle Regionen Österreichs ähnlich und decken sich mit Untersuchungen aus anderen Ländern Europas und auch aus Indien, Australien und den USA. „Das zeigt, dass für die Zunahme der stündlichen Starkregenmengen in erster Linie die Klimaerwärmung verantwortlich ist“, sagt Klimaforscher Haslinger, „pro Grad Erwärmung kann Luft rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen, das zeigt ein durch die Clausius-Clapeyron-Gleichung definiertes physikalisches Gesetz. Die letzten 40 Jahre brachten in Österreich eine Erwärmung von rund zwei Grad, was somit ziemlich genau der aus den Stationsmessungen ermittelten Zunahme von Starkregen um 15 Prozent in den Messungen entspricht.“
Nord-Süd-Unterschiede bei Regentagen
Auffallend ist die sehr unterschiedliche Entwicklung der Starkniederschläge über einen Tag zwischen dem Norden und dem Süden Österreichs. Eine wesentlich stärkere langfristige Schwankung (über Jahrzehnte) im Norden im Vergleich zum Süden weist sehr deutlich auf unterschiedliche Wetterlagen hin, die diese Extremereignisse verursachen. Dies deckt sich mit den Erfahrungen im Süden Österreichs, wo Tiefdruckwetterlagen aus dem Adriaraum besonders niederschlagsrelevant sind und Westwetterlagen oft nur die nördliche Steiermark erreichen.
„Die geringere Schwankung der prozentuellen Änderungen im Süden Österreichs und damit auch in der Steiermark darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Süden die Absolutwerte der Starkniederschläge an sich schon sehr hoch sind und damit diese Region zu einem Hotspot für Starkniederschläge und Gewitter in Österreich machen“, sagt Klimaforscher Wolfgang Schöner von der Universität Graz. Überraschend ist die Erkenntnis der Studie, dass sich die Starkniederschläge auf Stundenbasis und kleinräumiger Ebene hingegen österreichweit sehr einheitlich entwickeln und von der Temperaturänderung und nicht von den Wetterlagen getrieben werden.
Hochwasser
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie befasste sich mit der Änderung von Hochwasserereignissen. Diesen Bereich bearbeitete vor allem das Team der Technischen Universität Wien. Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Änderungen der Tagesmengen von Starkregen stimmen gut mit Änderungen von Hochwasser-Ereignissen mit großen Einzugsgebieten zusammen. Die Zunahme der stündlichen Mengen von Starkregen stimmt mit der Zunahme von kleinräumigen Hochwasser-Ereignissen zusammen (+24 Prozent in den letzten 40 Jahren).
Die Daten und Ergebnisse der Studie gehen auch direkt in das vor kurzem gestartete Forschungsprojekt „Wasser im Klimawandel – Unsere Wasserwirtschaft 2050+“ ein, einer Zusammenarbeit zwischen der TU Wien, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML), der GeoSphere Austria und der Universität Graz.
Zur Publikation
Increasing hourly heavy rainfall in Austria reflected in flood changes. Klaus Haslinger, Korbinian Breinl, Lovrenc Pavlin, Georg Pistotnik, Miriam Bertola, Marc Olefs, Marion Greilinger, Wolfgang Schöner & Günter Blöschl Nature 12.05.2025
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