Univ.-Prof. Dr. Gertrude Saxinger leitet seit September 2025 die Forschungsgruppe INTEGRATIVES Applied Integrative Geography am Institut für Geographie und Raumforschung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Sie beschäftigt sich seit etwa 20 Jahren in der (Sub-)Arktis mit sozialen Dimensionen von kritischen Rohstoffen sowie Erdöl und Erdgas. Ihre Forschungen führten sie nach Sibirien, Yukon und Sámpi, wie das Land der indigenen Sámi in Nordeuropa heißt. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Fragen der Interaktion unterschiedlicher Wissenssysteme in der Wissensproduktion und sucht mit ihren Kolleg*innen nach Wegen, indigene Forderungen nach dekolonialer Arktisforschung in und mit den Sozial- und Naturwissenschaften methodologisch fruchtbar zu machen.
Fragen von gesellschaftlicher Verantwortung in der Wissenschaft scheinen in die zeitgenössische Umweltforschung fast zwangsläufig eingeschrieben zu sein; denn zu brisant, dringend und lebensnah sind die rasanten ökologischen Veränderungen, als über diese Phänomene in antiquierter Weise im Elfenbeinturm diskutieren zu können. Die Forschungsgruppe INTEGRATIVES hat sich der angewandten integrativen Geographie mit einem dekolonialen, transdisziplinären und interdisziplinären Ansatz verschrieben, der über reine Wissenschaftskommunikation hinausgeht und die Gesellschaft ins Zentrum von Epistemologie und Methodologie stellt. Der Vortrag führt durch das Programm des neu geschaffenen Lehrstuhls und diskutiert die Herausforderungen des praktischen Zusammenarbeitens von Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Akteuren, wie z.B. indigenen Gemeinschaften in der Arktis.