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Dienstag, 01.10.2019

Gletscherschmelze

Seit 2010 hat sich die Fläche des Pasterzensees um das Sechsfache auf 30 Hektar vergrößert. Fotos: Kellerer-Pirklbauer/Uni Graz

Seit 2010 hat sich die Fläche des Pasterzensees um das Sechsfache auf 30 Hektar vergrößert. Fotos: Kellerer-Pirklbauer/Uni Graz

Forscher der Universität Graz messen erstmals die Tiefe des wachsenden Sees an der Pasterze

Der Klimawandel lässt die Gletscher schmelzen. Davon ist auch die Pasterze stark betroffen. Seit vielen Jahren dokumentieren ForscherInnen des Instituts für Geographie und Raumforschung der Universität Graz die Veränderungen an Österreichs größtem Gletscher. Durch die Abschmelzung ist ein See entstanden, dessen Fläche sich seit 2010 versechsfacht hat und heute 30 Hektar beträgt. Kürzlich haben die Geographen diesen an den Gletscher angrenzenden See erstmals befahren und seine Tiefe gemessen.

Die Ergebnisse überraschten die WissenschafterInnen: „Im zentralen Bereich ist das Becken des Pasterzensees über 48 Meter tief, und direkt am Gletscherrand haben wir an vielen Stellen über zehn Meter gemessen. Das lässt auf große, unter dem Seespiegel liegende Eisvolumen schließen, die in den letzten Jahren wohl größtenteils abgeschmolzen sind“, berichtet Andreas Kellerer-Pirklbauer. Der Geograph und sein Kollege Christian Ziesler haben als Erste am 13. September 2019 das Gewässer mit einem Paddelboot befahren und Echolot-Messungen durchgeführt. Die Unternehmung barg ein gewisses Risiko, da große, langsam dahintreibende Eisberge und plötzlich auftauchende Toteiskörper eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen.

Seit September 2018 leitet Kellerer-Pirklbauer ein vom Glockner-Öko-Fonds gefördertes Forschungsprojekt mit dem Ziel, Toteisvorkommen im Gletschervorfeld zu quantifizieren und deren Entwicklung zu beobachten. Das sogenannte „Toteis“ liegt unter Schutt sowie unter Wasser im Vorfeld des eigentlichen Gletschers. „Auch dieses verborgene Eis nimmt rasant ab. Beschleunigt wird der Prozess durch das Einfließen von Schmelzwasser aus dem gesamten Einzugsgebiet“, erklärt der Geograph. Löst sich Eis aus der Sohle des Sees, taucht es häufig in Form von Eisbergen auf – ein faszinierendes, aber auch nicht ganz ungefährliches Naturereignis.

Andreas Kellerer-Pirklbauer ist Teamleader in der Arbeitsgruppe Alpine Landschaftsdynamik (ALADYN) an der Universität Graz. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gerhard Lieb leitet er auch ehrenamtlich den Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins. Wolfgang Sulzer, Leiter der Arbeitsgruppe Geospatial Technologies (GST) an der Universität Graz, führt gemeinsam mit Gernot Seier Drohnenflüge an der Pasterze durch.

Christian Ziesler und Andreas Kellerer-Pirklbauer (v.l.) haben den Pasterzensee zum ersten Mal befahren und seine Tiefe gemessen.
Christian Ziesler und Andreas Kellerer-Pirklbauer (v.l.) haben den Pasterzensee zum ersten Mal befahren und seine Tiefe gemessen.
Das Befahren des Sees ist nicht ungefährlich, da unvermutet Eisberge auftauchen können.
Das Befahren des Sees ist nicht ungefährlich, da unvermutet Eisberge auftauchen können.
Erstellt von Gudrun Pichler

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