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Donnerstag, 04.11.2021

Intelligentes Tool

Studierende in einem Computer-Arbeitsraum. Foto: Uni Graz/Kanizaj

Nach didaktisch-pädagogischen Vorgaben konzipierte Chatbots sollen die Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden sowie die Gestaltung des Lernprozesses unterstützen. Foto: Uni Graz/Kanizaj

Erziehungswissenschafterin entwickelt Chatbot für Hochschullehre

Die durch Corona bedingte Umstellung auf digitale Lehre hat WissenschafterInnen und Studierende an den Universitäten vor neue Herausforderungen gestellt. Besonders schwierig gestaltet sich eine gute Betreuung bei Lehrveranstaltungen mit einer großen TeilnehmerInnen-Zahl. Sandra Hummel, Forscherin am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz, hatte daher eine Idee: Chatbots, speziell konzipiert für die Hochschullehre, sollen die Kommunikation zwischen Vortragenden und Studierenden sowie die Gestaltung des Lernprozesses unterstützen. Daraus entstand das von der EU geförderte Projekt „VISION - Virtual Interface for Smart Interactions Online“.

Fragen beantworten, Feedback geben, mit Anregungen den Lernfortschritt fördern – in der digitalen Lehre stoßen Vortragende bei diesen Aufgaben an ihre Grenzen. Deshalb soll ihnen Künstliche Intelligenz (KI) zukünftig unter die Arme greifen und auch die Studierenden beim Wissenserwerb unterstützen. „Ausgehend von didaktisch-pädagogischen Überlegungen entwickeln wir Chatbots gemeinsam mit KollegInnen der TU Dresden, der Universität Amsterdam und des Grazer Start-ups Smart-Study“, berichtet Projektleiterin Sandra Hummel.

Für gewöhnlich werden bei solchen KI-Anwendungen bestehende technologische Lösungen in ein System eingebettet. „Das Besondere an unseren Bots ist, dass sich die Technologie den didaktischen Anforderungen unterordnet“, betont die Erziehungswissenschafterin. „Wir konzipieren sie so, dass sie ausgehend von den Erfordernissen der Lehrenden und Studierenden individuell Hilfestellung geben.“ Sie sollen organisatorische und inhaltliche Fragen beantworten, gegebenenfalls auf weitere Lernmaterialien oder Quellen verweisen sowie an Fristen und Deadlines erinnern. Können sie eine Frage nicht beantworten, folgt die automatische Weiterleitung an die Lehrperson, die dann die entsprechende Information ins System eingibt, wodurch die Kompetenz der Bots stetig wächst.

Dieses „Human in the Loop“-Verfahren stellt sicher, dass Studierende auch dann Unterstützung erhalten, wenn die Technologie sie nicht bereitstellen kann. „Das ist eine ganz entscheidende Maßnahme, um Bildungsprozesse nicht automatisierten Systemen, sondern letztendlich immer Menschen zu überlassen“, unterstreicht Hummel. „Bildungstechnologien werden als assistive Begleitsysteme in die Hochschullehre implementiert. Ihre Möglichkeiten und Grenzen müssen in didaktischen Arrangements berücksichtigt werden.“

Eine zusätzliche Funktion der Chatbots ist es, den Studierenden Fragen zum Stoff zu stellen. So können zum einen die TeilnehmerInnen einer Lehrveranstaltung Rückmeldung über ihren Wissensstand bekommen und zum anderen die Lehrenden Informationen zum Lernfortschritt erhalten.

Ziel ist, die Chatbots mit möglichst vielen lehrveranstaltungsbezogenen Inhalten zu füttern, um sie mit umfassender Kompetenz auszustatten. Studierende sammeln Fragen, Lehrende steuern die Antworten bei. Das Projektteam ist für die Einspeisung zuständig, unter Sicherstellung absoluter Anonymität. „Damit gewährleistet ist, dass keine personenbezogenen Informationen ins System gelangen und ethische Grundsätze uneingeschränkt gewahrt werden, sind die DatenschutzexpertInnen der beteiligten Institutionen eng eingebunden“, betont Hummel.

Um die neue Anwendung einfach zugänglich zu machen, soll der Chatbot als ZIP-File unkompliziert in alle Scorm-kompatiblen Lernmanagementsysteme, wie etwa Moodle, mit wenigen Klicks integrierbar sein. Ein vom Team um Sandra Hummel erstelltes hochschuldidaktisches Begleitprogramm in Form eines eCourse wird Lehrende in die gekonnte Nutzung des Bots einführen. In knapp zwei Jahren soll die Entwicklung ihren Dienst an den Unis antreten.


Forschungstag der Erziehungswissenschaft
„VISION“ ist eines von mehreren Projekten, die am 4. November 2021 im Rahmen des Forschungstags der Erziehungswissenschaft im Wallzentrum der Universität Graz ab 15 Uhr präsentiert werden.
Die Veranstaltung gibt Einblicke in neue Erkenntnisse, Chancen und Herausforderungen der verschiedenen Forschungsbereiche in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, mit denen sich auch die renommierte deutsche Pädagogin Käte Meyer-Drawe in ihrem Eröffnungsvortrag befasst.
>> nähere Informationen zum Programm

>> Live-Stream der Eröffnung ab 15 Uhr

Erstellt von Gudrun Pichler

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